F 800 GS oder F 850 GS gebraucht: Welche Mittelklasse-GS passt zu dir?

F 800 GS oder F 850 GS: Welche gebrauchte Mittelklasse-GS ist die bessere Wahl?
Wer sich für eine BMW-Reiseenduro unterhalb der großen Boxer-GS interessiert, stößt früher oder später auf zwei Namen: F 800 GS und F 850 GS. Beide bewegen sich mit ihren Hubräumen von 798 beziehungsweise 853 ccm genau in dem Segment, für das dieser Blog steht, und beide tauchen regelmäßig auf dem Gebrauchtmarkt auf. Nur: Welche der beiden passt eigentlich besser zu dir? Wir haben uns die Modellgeschichte genauer angeschaut und fassen zusammen, was du vor dem Kauf wissen solltest.
Die F 800 GS: der Klassiker unter den Mittelklasse-Enduros
Als BMW 2008 die F 800 GS auf den Markt brachte, war das ein bewusster Bruch mit der bisherigen GS-Philosophie. Statt Boxermotor und Kardan gab es einen wassergekühlten Parallel-Twin mit 798 ccm, 85 PS und Kettenantrieb, dazu einen unter der Sitzbank platzierten Tank, der für einen tiefen Schwerpunkt sorgte. Mit 21-Zoll-Vorderrad, langen Federwegen und schlanker Silhouette war sie deutlich geländeorientierter ausgelegt als ihre straßenfreundlichere Schwester F 650 GS.
Die frühen Baujahre waren nicht ganz frei von Kinderkrankheiten. BMW startete unter anderem wegen der Tankanzeige, eines Kühlwasserschlauchs, der vorderen Steckachse, des Kettensatzes und einzelner Softwarestände Rückrufaktionen. Wenn du ein frühes Modell ins Auge fasst, lohnt sich deshalb ein Blick in die Fahrzeughistorie: Wurden alle Rückrufaktionen tatsächlich durchgeführt? Ein lückenloses Scheckheft ist hier bares Geld wert.
2013 folgte eine Modellpflege mit überarbeiteter Optik, moderneren Bedienelementen und wichtiger noch: serienmäßigem ABS sowie optionaler Traktionskontrolle und elektronisch verstellbarem Federbein. Der Motor blieb bei 85 PS, aber die Ausstattung wurde deutlich zeitgemäßer. Wer gebraucht kauft, sollte diese Zäsur im Hinterkopf behalten, denn Modelle ab 2013 bringen spürbar mehr Sicherheitstechnik mit.
Ebenfalls 2013 kam mit der F 800 GS Adventure eine reisetauglichere Variante hinzu, erkennbar am auf 24 Liter vergrößerten Tank, höherem Windschild, Schutzbügeln und verstärktem Heckrahmen. Sie eignet sich vor allem für alle, die mit viel Gepäck und Sozius unterwegs sind, ist dafür aber auch schwerer und im Handling etwas behäbiger. 2017 wurde die Baureihe noch einmal auf Euro 4 angepasst, bevor nach rund zehn Jahren und etwa 165.000 gebauten Einheiten der gesamten F-Twin-Familie Schluss war.
Die F 850 GS: mehr Motorrad, mehr Technik, mehr Gewicht
2018 kam mit der F 850 GS kein einfaches Hubraum-Update, sondern eine komplette Neukonstruktion. Der neue 853-ccm-Twin mit ungleichmäßiger Zündfolge leistet 95 PS und 92 Nm und klingt dabei deutlich kerniger als der alte Motor. Auch das Fahrwerk wurde neu gedacht: ein Brückenrahmen mit dem Motor als mittragendem Element ersetzte den Gitterrohrrahmen, der Tank wanderte zurück an seinen klassischen Platz vor dem Fahrer, und die Kette sitzt seither auf der linken statt der rechten Seite.
Elektronisch spielt die F 850 GS in einer anderen Liga als ihre Vorgängerin. Ride-by-Wire, mehrere Fahrmodi, ABS und Traktionskontrolle gehören zur Grundausstattung, optional kommen TFT-Display, Kurven-ABS, Dynamic ESA, Schaltassistent, Tempomat, Reifendruckkontrolle und Keyless Ride dazu. Das macht sie im Alltag komfortabler und auf der Straße souveräner, schlägt sich aber auch im Gewicht nieder: Mit rund 230 Kilogramm fahrfertig bringt sie deutlich mehr auf die Waage als die F 800 GS. Die Sitzhöhe von serienmäßig 860 Millimetern lässt sich über verschiedene Sitzbänke und eine Tieferlegung anpassen, bleibt aber ein Thema, das du bei beim Probesitzen unbedingt selbst prüfen solltest.
2019 folgte auch hier eine Adventure-Version mit 23-Liter-Tank und laut BMW mehr als 550 Kilometern Reichweite, dazu größerem Wetterschutz und Edelstahl-Gepäckträger für die große Reise.
Was das für deine Kaufentscheidung bedeutet
Wenn du ein möglichst unkompliziertes, mechanisch direktes Motorrad suchst und dir die überschaubarere Elektronik keine Sorgen macht, ist eine gepflegte F 800 GS ab Baujahr 2013 eine gute und meist günstigere Wahl. Achte auf lückenlose Wartungshistorie und durchgeführte Rückrufe, dann bekommst du ein robustes und bewährtes Reisemotorrad.
Willst du dagegen mehr Leistung, moderneren Komfort und ein umfangreicheres Assistenzpaket, führt kaum ein Weg an der F 850 GS vorbei. Dafür zahlst du in der Regel mehr, bekommst ein schwereres Motorrad und solltest die Sitzhöhe unbedingt selbst testen, bevor du dich festlegst.
Beide Baureihen wurden in großen Stückzahlen verkauft, teilen sich den Gebrauchtmarkt aber mit ihren straßenorientierteren Geschwistern. Wer aber genau diesen Charakter sucht, findet in der F 800 GS und der F 850 GS zwei der interessantesten Mittelklasse-Enduros, die BMW je gebaut hat, und mit etwas Geduld auf dem Gebrauchtmarkt auch ein faires Angebot.